Erich Kästner Schule Neckargemünd beim Projekt „WaldMachtMut!“ dabei

Jugend und BildungÖkologie

Sascha Spataru von der Nussbaum Stiftung, Waldpädagoge Frank Hoffmann und Lehrer Arne Innülsen mit Schülerinnen der Erich Kästner Schule. Foto: du

Auf ihrem selbst aus dicken Ästen zusammengetragenen Wald-Sofa hatten es sich die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klasse der Erich Kästner Schule gemütlich gemacht. Gemeinsam mit Waldpädagoge Frank Hoffmann hatten sie sich auf dem ausgewählten Platz im Wald zum zweiten Waldtag eingefunden, der unter dem Motto „Mut zur Begegnung“ stand.

Kraftort, Übungsfeld und Ruheraum

Die zehn Jugendlichen sind Teilnehmer des Projekts „WaldMachtMut!“, dem in Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ein eigens für die Nussbaum Stiftung entwickeltes pädagogisches Konzept zugrunde liegt. Dieses Konzept richtet sich besonders an Haupt-, Förder- und Gemeinschaftsschulen mit förderbedürftigen Jugendlichen im Alter zwischen 12 bis 15 Jahren, die durch Einschränkungen im Entwicklungs- und Bildungsbereich auffallen. Sie werden durch das Programm ermutigt und in ihrer Selbstwahrnehmung so bestärkt, dass sie Wünsche und Anliegen selbst voranbringen können. Als Erfahrungsort eignet sich der Naturraum Wald in ganz besonderem Maße. Die teilnehmenden Klassen erleben ihn als Kraftort, Übungsfeld und Ruheraum.

Waldpädagoge Hoffmann und seine Yellow Flat Coated Retriever Hündin Emma sind Dreh- und Angelpunkt des Programms, das es seit zwei Jahren gibt und bei dem er von Anfang an dabei ist. Hündin Emma selbst ist ein wahrer Ruhepol und das wirkt auch auf die jungen Menschen ansteckend, so dass sogar vorhandene Ängste vor Hunden abgebaut werden können.

Drei Motto-Tage

„Ganz besonders gut kam gestern das Auerhahnspiel in der Gruppe an“, berichtet Frank Hoffmann. Dabei handelt es sich um ein Versteckspiel mit dem Unterschied, dass sich die heranpirschenden Jäger vor dem Auerhahn verstecken müssen. Jeder der drei Waldtage des Programms steht unter einem besonderen Motto und eröffnet einen neuen erlebnispädagogischen Aspekt und Möglichkeiten der Selbsterfahrung. „Mut zur Wildnis“ hieß es am ersten Waldtag, an dem neben dem Bau des Waldsofas auch das Sammeln von Wildkräutern anstand. Brombeer- und Brennnesselblätter sowie Sauerklee wurden gemeinsam entdeckt und daraus ein schmackhafter Tee gebrüht. In Absprache mit der zuständigen Försterin wurde auch ein schlankes Buchenbäumchen ausfindig gemacht, dass die Schülerinnen und Schüler mit Bügelsäge und Axt fällten. Dabei standen Zusammenarbeit und Teamerlebnis im Vordergrund.

Badesalz aus Nadeln

Der zweite Waldtag trug das Motto „Mut zur Begegnung“ und begann mit einer Anerkennungs- bzw. Lobrunde, bei der positive Eigenschaften eines jeden Teilnehmers hervorgehoben wurden. In einer weiteren Aufgabe waren die Nadeln von Douglasien oder Fichten zu sammeln und mit einem Wiegemesser zu zerkleinern. Gemischt mit Salz sollten die zerkleinerten Nadeln mit einem Stößel zerquetscht werden, um ein aromatisches Badesalz herzustellen. Jeder durfte eine Tüte davon mitnehmen. Auch dieser Aufgabe widmeten sich die Schüler mit viel Hingabe und bestätigten, dass ihnen der Aufenthalt im Wald richtig gut gefiel. Der dritte Waldtag stand unter dem Titel „Mut zum Ich“ und hier ging es darum, innere Ressourcen zu erschließen und die Resilienz zu stärken.

Entspannte Schülergruppe

Inzwischen war auch Lehrer Arne Innülsen zur Gruppe gestoßen; als Gast schaute zudem Sascha Spataru von der Nussbaum Stiftung vorbei, um selbst einen Eindruck des Programms „WaldMachtMut!“ zu gewinnen. Seit 2020 finanziert die Nussbaum Stiftung für mindestens drei Jahre die Teilnahme von sechs Schulen pro Jahr im Verbreitungsgebiet der Nussbaum Medien. Über eine Rundmail der Nussbaum Stiftung hatte Arne Innülsen von dem Programm erfahren und sich beworben. Er und Spataru konnten sich von der entspannten Stimmung der Schülergruppe überzeugen, die der Lehrer wertschätzte: „Es ist schön, sie so gelöst und befreit außerhalb der Schule zu erleben.“ (du)

Neckargemünd2022