NUSSBAUM Award: Eine Auszeichnung für zukunftsfähiges Ehrenamt
Zukunftsorientiert, engagiert, vorbildlich und jung (geblieben).
Ehrenamtliche Vereins-Strukturen modernisieren ist das A und O für einen zukunftsfähigen Verein. Der NUSSBAUM Award zeichnet alle zwei Jahre einen gemeinnützigen Verein in Baden-Württemberg aus, der sich zukunftsorientiert aufgestellt hat und den alle Generationen cool, attraktiv und modern finden. Der Jugend-Award geht an besonders vorbildliche Jugendgruppen.
Eine unabhängige Jury nominiert unter den Bewerbern für die NUSSBAUM Award drei Vereine. Der Gewinner des Preises wird bei der Verleihung bekanntgegeben. Auf die gleiche Weise wird auch der Jugend-Award verliehen.
Ehrenamt im Aufwind: Über 170 Bewerbungen für NUSSBAUM Award
Mehr als 170 Bewerbungen für den diesjährigen Award und den Jugend-Award sind bei der NUSSBAUM Stiftung bis zum Bewerbungsschluss am 31. Mai 2026 eingegangen. Aus ganz Baden-Württemberg haben sich Vereine aus Sport, Kultur, Sozialem, Musik und Brauchtum mit ihren Konzepten und deren Umsetzung für zukunftsfähige Vereinsstrukturen beworben.
Mitte Juni wird die Jury zum ersten Mal zusammenkommen, um aus den vielen guten Bewerbungen der engagierten Vereine die besten herauszufiltern.
Am 18. September ist es dann soweit und die Verleihung des Awards findet im Verlagsgebäude der NUSSBAUM Medien in St. Leon-Rot statt.
Die NUSSBAUM Stiftung ist begeistert von so vielen Bewerbungen. „Alle Vereine, die sich um den Award beworben haben, zeigen, dass sie auf die Zeichen der Zeit reagieren und Ehrenamtsstrukturen zukunftsfähig umgestalten“, sagt Miriam Tsolakidis von der NUSSBAUM Stiftung.
NUSSBAUM Award
Der NUSSBAUM Award zeichnet Vereine und Organisationen in Baden-Württemberg aus, die in besonderem Maße auf die Sicherung der Zukunft des Ehrenamts ausgerichtet sind. Dazu zählen vor allem die Nachwuchsgewinnung, die Bestandssicherung der engagierten Mitglieder, die Vernetzung mit Partnern, die Digitalisierung und die nachhaltige Sicherung des Vereinslebens. Die NUSSBAUM Stiftung will mit dem Award einen landesweiten Impuls setzen, um das Ehrenamt in seinem Bestand zu sichern, es zu verjüngen und attraktiv zu machen. Der Award ist mit 5.000 € dotiert.
NUSSBAUM Jugend-Award
Der NUSSBAUM Jugend-Award richtet sich an ehrenamtlich engagierte junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren in Baden-Württemberg. Er zeichnet Jugendgruppen aufgrund ihres Vorbildcharakters aus, die in Vereinen oder auf eigene Initiative regional ein solidarisches Miteinander pflegen, eine lebenswerte Zukunft gestalten und so zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und deren Zusammenhalt beitragen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert.
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Der NUSSBAUM Award wird alle zwei Jahre vergeben. Er ist mit 5.000 € dotiert.
Die Award-Verleihung findet 18. September 2026 statt.
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Der Jugend-Award wird ebenfalls alle zwei Jahre gemeinsam mit dem NUSSBAUM Award verliehen. Er ist mit 5.000 € dotiert.
Der Jugend-Award wird ebenfalls am 18. September 2026 verliehen.
Die Jury
Eine unabhängige Jury nominiert unter den Bewerbern drei Vereine für den NUSSBAUM Award. Der Gewinner des Preises wird bei der Verleihung bekanntgegeben. Auf die gleiche Weise wird auch der Jugend-Award verliehen.
Die Jurorinnen und Juroren sind:
Gabriele Reichhardt, Vorsitzende der Allianz für Beteiligung e.V.
Susanne Ebert, Leiterin der Schmid Stiftung
Christoph Palm, Präsident des Landesmusikverbandes Baden-Württemberg
Jürgen Scholz, Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg
Klaus Nussbaum, Verleger und Stifter
Die Nominierten werden Anfang Juli 2026 benachrichtigt.
Der NUSSBAUM Award und der Jugend-Award werden am 18. September 2026 im Verlagshaus der NUSSBAUM Medien verliehen.
Warum NUSSBAUM Award?
Für den Verleger und Stifter Klaus Nussbaum gehört das Ehrenamt zu den unerlässlichen Bestandteilen des Zusammenlebens in unserer Demokratie. Um dieses Ehrenamt zu stärken und dazu beizutragen es sozusagen zukunftssicher zu machen, verleiht er ab 2024 alle zwei Jahre den NUSSBAUM Award.
“Nichts würde in unserem Land funktionieren, hätten wir nicht die unermesslich große Zahl an Menschen, die sich für andere einsetzen und unser soziales Gefüge, unsere Bildung, Kultur, den Sport... schlichtweg alles wie ein großes Mosaik zusammenfügen und zusammenhalten.“

Klaus Nussbaum
Geschäftsführer NUSSBAUM Medien und
Stifter der NUSSBAUM Stiftung
“Wer sich ehrenamtlich engagiert, gestaltet aktiv Zukunft. Der NUSSBAUM Award ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung für diesen unver-zichtbaren Einsatz.“

Manuel Just
amtierender Landrat des Rhein-Neckar-Kreises
Schirmherr der Veranstaltung
Herausforderung Ehrenamt: Vereine im Wandel für eine Zukunft mit Engagement
Dr. Holger Backhaus-Maul, Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Zentrum für Sozialforschung an der Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Karsten Speck, Institut für Pädagogik, Fakultät Bildungs- und Sozialwissenschaften, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Strukturen, Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven des freiwilligen Engagements
Wettbewerbe und Awards sind ein geeignetes Instrument, um das freiwillige Engagement von Bürgern zu unterstützen. Durch öffentliche Anerkennung und Auszeichnung werden innovative Ideen und Projekte sichtbar gemacht, etwa in den Bereichen Mitgliedergewinnung und Rekrutierung von ehrenamtlichen Leitungs- und Führungskräften, Kooperationen im Sozialraum sowie Weiterentwicklungen von Vereinskultur und -strukturen.
Auch wenn diese Formate eine nachhaltige finanzielle und infrastrukturelle Förderung von freiwilligem Engagement nicht ersetzen können, tragen sie dazu bei, erfolgversprechende Praxisbeispiele zu verbreiten und zu skalieren.
Das gemeinnützige Vereinswesen in Deutschland steht aktuell vor vielfältigen strukturellen Aufgaben und Problemen. Breit dokumentierte Praxiserfahrungen und empirische Befunde aus den Erhebungen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und auch des Freiwilligensurveys verdeutlichen unter anderem folgende Probleme:
- eine hohe Altersstruktur in Leitungs- und Führungspositionen,
- Leitungs- und Führungspositionen sind mehrheitlich von Männern besetzt,
- die soziale und kulturelle Heterogenität der Mitgliedschaft ist unzureichend und
- konventionelle Gremien- und Entscheidungsstrukturen sind für jüngere Zielgruppen kaum attraktiv.
Diese Faktoren wirken sich ungünstig auf die Zukunftsfähigkeit von Vereinen aus.
Gleichzeitig zeigen Daten des Freiwilligensurveys, dass das Niveau freiwilligen Engagements in Deutschland hoch ist. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung engagieren sich freiwillig; ein Drittel war früher engagiert oder signalisiert die Bereitschaft, sich zukünftig engagieren zu wollen.
Vor diesem Hintergrund ist nicht von einem quantitativen Rückgang des Engagements, sondern vielmehr von einem qualitativen Wandel im Engagement auszugehen. Engagement vollzieht sich zunehmend
- individualisierter,
- anlass- und projektbezogener
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sowie in informellen und digitalen Kontexten.
Neben dem klassischen Verein gewinnen damit auch Initiativen, Netzwerke und hybride Organisationsformen an Bedeutung.
Freiwilliges Engagement ist Bestandteil und Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen und bildet auch bestehende soziale Ungleichheiten ab. So spiegeln sich Unterschiede in Bildung, Einkommen und sozialer Teilhabe in den Zugangschancen zum Engagement und den gewählten Handlungsfeldern und Formen des Engagements wider.
Freiwilliges Engagement ist daher nicht per se als Korrektiv sozialer Ungleichheit zu verstehen, sondern trägt auch zu dessen Reproduktion bei. Daraus ergibt sich für die Engagementförderung die Notwendigkeit, Zugangsbarrieren zum Engagement in den Blick zu nehmen und abzubauen.
Vor dem Hintergrund der skizzierten Entwicklungen wird deutlich, dass aktuelle Aufgaben und Probleme im Engagement weniger auf eine mangelnde Engagementbereitschaft zurückzuführen sind, sondern auf Passungsprobleme zwischen bestehenden Organisationsstrukturen und veränderten Erwartungen potenziell Engagierter.
Tradierte Vereinsstrukturen mit langfristigen Amtszeiten, formalisierten Entscheidungsprozessen und zeitintensiven Präsenzformaten stehen in einem latenten Spannungsverhältnis insbesondere zu den Lebensrealitäten Jüngerer.
Auch traditionelle Rekrutierungsstrategien, die auf persönlicher Ansprache im sozialen Nahumfeld basieren, erreichen jüngere Zielgruppen nur bedingt.
Vor diesem Hintergrund lassen sich mehrere zentrale Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung von Engagement in Vereinen identifizieren:
“Die Mischung machts”
Eine stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher sozialer, kultureller und biografischer Hintergründe kann dazu beitragen, neue Zielgruppen zu erschließen und die gesellschaftliche Repräsentativität zu erhöhen.
Flexible Engagementformen
Neben klassischen Ehrenamtsstrukturen gewinnen befristete, projektbezogene und weniger formal gebundene Beteiligungsformate an Bedeutung. Diese können insbesondere für jüngere Menschen niedrigere Zugangsschwellen schaffen.
Partizipation und Verantwortungsübernahme
Die Suche von Nachfolgenden für Leitungs- und Führungsposition sollte mit der Abgabe von Macht einhergehen und gezielt Möglichkeiten der Mitentscheidung und Mitgestaltung sowie der schrittweisen Übernahme von Verantwortung eröffnen. Dieses schließt auch neue Formen einer geteilten oder zeitlich begrenzten Übernahme von Leitungs- und Führungsfunktionen mit ein.
Digitalisierung und Kommunikation
Digitale Medien und soziale Netzwerke eröffnen wichtige Zugänge zu engagementbereiten Bürgerinnen und Bürgern. Die bislang vielfach begrenzte Nutzung neuer Medien und sozialer Netzwerke reduzieren Reichweite und Sichtbarkeit von Engagementorganisationen, insbesondere gegenüber jüngeren Zielgruppen.
Kooperation und Infrastruktur
Intermediäre Organisationen, wie Freiwilligenagenturen und Bürgerstiftungen, übernehmen wichtige Funktionen in der Vermittlung, Beratung und Qualifizierung von Engagierten. Sie tragen zur Weiterentwicklung von Engagementstrukturen sowie zur Initiierung von Innovationen bei.
Freiwilliges Engagement ist ein zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Integration und demokratischer Teilhabe. Es eröffnet Räume für gesellschaftliche Mitentscheidung und Mitgestaltung, stärkt soziale Netzwerke und trägt zur Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben und Probleme bei.
Angesichts von Transformationsprozessen und Krisenerfahrungen ist davon auszugehen, dass sich die Formen des Engagements und seine Organisationen dynamisch verändern und sich ihrer gesellschaftlichen Umwelt anpassen werden.
Vor diesem Hintergrund kommt Initiativen wie dem NUSSBAUM Award besondere Bedeutung zu. Durch die gezielte Sichtbarmachung innovativer Praxisbeispiele kann der Wettbewerb dazu beitragen, Transformationsprozesse im Vereinswesen zu unterstützen und erfahrungsgesättigtes Orientierungswissen für zukunftsfähige Organisationsentwicklungen bereitzustellen.
Dr. Mareike Alscher, Soziologin, Wissenschaftszentrum Berlin, WZB
Überalterung, Kostendruck und fehlendes Gemeinschaftsgefühl
In einer Studie (2019) über „Überalterung, Kostendruck und fehlendes Gemeinschaftsgefühl“:
„Die Werbung für Mitglieder als auch Engagierte findet sehr auf traditionellen Wegen stattfindet. Ein Mensch in der Leitungsfunktion fragt, hast du nicht Lust oder ein Mitglied sagt, ich bin da Mitglied, möchtest Du nicht auch? Das sind sicher Wege, mit denen bestimmte Erfolge zu erzielen sind. Man muss aber gleichzeitig im Blick haben, junge Leute vernetzen sich heute über das Internet. Die Organisationen allerdings nutzen soziale Netzwerke und Blogs bisher kaum, um auch jugendliche Interessierte anzusprechen. Außerdem bieten sie selten zeitweilige, projektbezogene Mitgliedschaften an.
Man kann darüber hinaussehen, dass, wenn man die Organisationen fragt, was beabsichtigen sie denn mit der Einbeziehung junger Menschen, dass viele Organisationen Wert darauf legen, das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen zu stärken, bestimmte Werte wie Solidarität zu vermitteln. Nur knapp ein Drittel sagt, dass wir Leitungs- und Führungskompetenz ausbilden bei den Ehrenamtlichen für die eigenen Organisationen.“
Status quo des Ehrenamts

In Baden-Württemberg engagieren sich überdurchschnittlich viele Menschen ehrenamtlich. Im aktuellen Freiwilligensurvey 2024 liegt die Engagement-Quote bei 40,0 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 36,7 Prozent. Damit zählt Baden-Württemberg zu den Bundesländern mit besonders hoher Beteiligung – neben Bayern und Hessen, in denen ebenfalls mehr als 40 Prozent der Bevölkerung freiwillig aktiv sind.
Das freiwillige Engagement im Land zeigt sich stabil und tragfähig: Ein Großteil der Engagierten investiert heute wieder Zeit in ehrenamtliche Tätigkeit, fast die Hälfte ist mindestens einmal pro Woche aktiv. Rund 70 Prozent wollen ihr Engagement unverändert fortführen, weitere 10 Prozent sogar ausweiten.
Auffällig ist das darüber hinaus bestehende hohe Engagement-Potenzial: Unter den nicht engagierten Menschen können sich 41 Prozent vorstellen, künftig aktiv zu werden – insbesondere junge Menschen zeigen eine überdurchschnittlich hohe Bereitschaft.
